Vielfalt seltener Pflanzen
Bitte auf die Themenbalken klicken. Für Bilder Maus über die markierten Namen führen. Fotos Eckhard Baumann und Wolfgang Katz, botanische Beratung Dipl.-Biologe Ulf Soltau. Hinweis: Für diese Seite bitte Internet Explorer ab Version 9 oder andere Browser nutzen.
Wissenswertes: Alle vier in Berlin vorkommenden Nelkenarten (Dianthus) stehen unter gesetzlichem Schutz und sind auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen Berlins. Alle vier sind auch im Naturschutzpark Marienfelde vertreten. Am häufigsten findet man die zierliche
Heidenelke
(D. deltoides) mit ihren weiß punktierten, purpurfarbenen Blütenblättern. Die teilweise recht groß werdende
Karthäuser-Nelke
(D. carthusianorum) ist schon seltener zu finden. Ihre Blütenköpfe sind regelmäßig von vielerlei Schmetterlingsarten umschwärmt. Die Sand- oder Rauhe Nelke (D. arenarius) ist bisher nur an einer einzigen Stelle gefunden worden. Seit mehreren Jahren ist die Pracht-Nelke (D. superbus) mit ihren zerschlissenen Blütenblättern im Naturschutzpark Marienfelde leider wieder verschollen, doch unser Botaniker gibt die Suche nach ihr nicht auf.
Auch seltene Lichtnelken (Silene) haben im Naturschutzpark Marienfelde eine Heimat. Darunter die in Berlin gefährdete
Kuckucks-Lichtnelke
(S. flos-cuculi) und die extrem seltene
Pechnelke
(S. viscaria). Ihre klebrigen Stängel schützen die Blütenstände der Pechnelke vor ungebetenen Gästen von unten.
Wissenswertes: Die große Familie der Korbblütler ist im Naturschutzpark Marienfelde sehr präsent, unter anderen auch mit einigen selten gewordenen Arten, darunter die in Berlin gefährdete
Blaue Kornblume
(Centaurea cyanus) und die extrem seltene
Färber-Hundskamille
(Anthemis tinctoria). Ihre Blütenköpfe wurden früher tatsächlich zum gelb Färben benutzt.
An einer sehr sandig-trockenen Stelle am Rande des Parks wächst die
Sand-Strohblume
(Helichrysum arenarium). Sie ist in Deutschland gesetzlich geschützt und darf nicht gepflückt werden.
Wissenswertes: Zu den Schmetterlingsblütlern zählen nicht nur Erbsen, Bohnen und Linsen, sondern auch recht seltene Arten, wie der
Wundklee
(Anthyllis vulneraria) oder der Färber-Ginster (Genista tinctoria). Beide Arten sind in Berlin vom Aussterben bedroht. Im Naturschutzpark Marienfelde gibt es sie noch, doch auch hier sind ihre Bestände klein. Der
Färber-Ginster
wächst hier gerade noch mit zwei Exemplaren.
Manch einer kennt die
Breitblättrige Platterbse (Latyrus latifolius) mit
ihren großen purpurnen Blüten, die oft an Zäunen empor rankt. Doch wer kennt
schon die
Knollen-Platterbse
(Lathyrus tuberosus)? Das ist kaum verwunderlich, gilt die Knollen-Platterbse laut der Roten Liste Berlins doch als gefährdet. Sie ist etwas zierlicher als die Breitblättrige Platterbse, aber nicht minder schön.
Wissenswertes: Der Naturschutzpark Marienfelde ist bisher kein guter Platz für niedere Pflanzen. Moose und Farne findet man hier selten und nur mit wenigen Arten. Für die meisten dieser feuchtigkeitsliebenden Pflanzen ist es einfach zu sonnig und zu trocken, der Baumbestand ist noch zu lückig und die Humusschicht zu dünn.
In einer kleinen Mauerspalte im Gemäuer der alten Marienfelder Dorfkirche aber hat unser Botaniker den in Berlin gefährdeten
Mauer-Streifenfarn
(Asplenium ruta-muraria) gefunden. Lassen sie ihren Blick beim nächsten Kirchgang einmal links des Portals schweifen und sie werden ihn entdecken.
Wissenswertes: Zu den ersten Frühblühern im Jahr gehört die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris). Der Name Primula leitet sich ab vom lateinischen prima = die Erste. Die Wiesen-Schlüsselblume ist eine kleine botanische Kostbarkeit, steht unter gesetzlichem Schutz, gilt in Brandenburg als gefährdet und in Berlin sogar als vom Aussterben bedroht. Im Naturschutzparks Marienfelde hat unser Botaniker 2011 mit einiger Euphorie zwei einzelne Exemplare dieser Art entdeckt.
Auch ein weiteres seltenes und seltsames Primelgewächs hat im Naturschutzparks Marienfelde eine Heimat. Es ist die in Deutschland gefährdete und gesetzlich geschützte
Wasserfeder
(Hottonia palustris). Mit ihren federartig fein zerteilten Blättern ist sie ganz an ein Leben unter Wasser angepasst.
Wissenswertes: Nicht nur Schnittblumen zählen zu den Rosengewächsen, sondern auch ganz anders aussehende und teilweise seltene Arten wie der
Große Odermennig
(Agrimonia procera). Diese Hochstaude ist in Berlin extrem selten und wächst im Naturschutzpark Marienfelde mit nur vier Exemplaren an zwei Standorten. Ein kleines Ackerunkraut gehört auch dazu: der Acker-Frauenmantel (Aphanes arvensis). Er findet sich an einem wenige Meter langen Ackerrandstreifen in der Marienfelder Feldmark. Der Wiesenknopf (Sanguisorba) kommt hier in zwei Arten vor, als stark gefährdeter
Großer Wiesenknopf
(S. officinalis) und vom Aussterben bedrohter
Kleiner Wiesenknopf
(S. minor). Im Naturschutzpark Marienfelde sind beide Arten noch recht häufig zu finden.
Wissenswertes: Die große Gruppe der Hahnenfußgewächse ist im Naturschutzpark Marienfelde mit drei besonders erwähnenswerten Arten vertreten. An fast allen Gewässern des Geländes blüht im Frühjahr die in Berlin gefährdete
Sumpfdotterblume
(Caltha palustris) in sattgelben Farben. Sie ist wohl das Sinnbild dessen, was der Volksmund Butterblume nennt.
Deutlich seltener findet sich der Rauhe Hahnenfuß (Ranunculus sardous). Mit seinen handförmig gebuchteten Blättern und seinen gelben Blüten ist er gar nicht so leicht von anderen Vertretern dieser Gattung zu unterscheiden. Nur wer genauer hinschaut stellt fest, dass diese Art in Berlin vom Aussterben bedroht ist. Sie gilt auch deutschlandweit als gefährdet.
Das
Kleine Mäuseschwänzchen
(Myosurus minimus) erinnert kaum mehr an ein Hahnenfußgewächs, sondern mit seinen verlängerten Blütenstands-
achsen eher an ein Wegerichgewächs. Das zierliche Pflänzchen ist in Berlin ebenfalls vom Aussterben bedroht und wächst auch im Naturschutzpark Marienfelde nur an einem einzigen schmalen Ackerrandstreifen.
Wissenswertes: Neben Tieren leben auch manche Pflanzen als Parasit. Besonders viele dieser pflanzlichen Parasiten finden sich in der Familie der Rachenblütler. Sie parasitieren an den Wurzeln anderer Pflanzen und entziehen ihnen Nährstoffe. Zwei von ihnen leben auch im Naturschutzpark Marienfelde.
Der
Kleine Klappertopf
(Rhinanthus minor) gilt in Berlin und Brandenburg als vom Aussterben bedroht und wächst bei uns in zwei kleinen Populationen.
Sein naher Verwandter, der
Rote Zahntrost
(Odontites vulgaris), steht immerhin schon auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Pflanzen Berlins. Im Naturschutzpark Marienfelde findet auch er eines seiner letzten Refugien.
Wissenswertes: Lange galt es in Berlin als verschollen und ausgestorben: das
Kleine Schlangenäuglein
(Asperugo procumbens). Der Naturschutzpark Marienfelde kann nun mit einer Erfolgsmeldung aufwarten. Dieses kleine Borretschgewächs, mit seinen verschiedenfarbigen Blüten und seinen bizarr geformten Früchten, ist wieder da! Es blüht und gedeiht in einer bescheidenen Population auf einer kleinen Brache am Südrand der Marienfelder Feldmark. Sie können sich vorstellen: wir sind in Feierlaune. Freuen sie sich mit uns - und vielleicht spenden sie etwas für unsere weitere erfolgreiche Naturschutzarbeit.
Familie der Wasserschlauchgewächse (Utriculariaceae)
Wissenswertes: Es war ein reiner Zufallsfund. Auf der Suche nach Knoblauchkröten-Larven ging dem Ranger des Naturschutzparks Marienfelde neben Algen und allerlei Kleingetier auch ein unscheinbares Gewächs ins Netz.
Unser Botaniker identifizierte dieses später als
Gemeinen Wasserschlauch
(Utricularia vulgaris) und verfiel spontan in einen Freudentanz, gilt diese Art in Berlin doch als vom Aussterben bedroht.
Mit seinen kleinen Fangblasen fängt der Wasserschlauch Krebstiere und Wasserinsekten. Berührt ein potentielles Beutetier eines der Fühlhaare vor der Fangblase, so öffnet sich deren Deckel, der Unterdruck innerhalb der Fangblase wird schlagartig durch einströmendes Wasser ausgeglichen und das Beutetier mit dem Wasserstrom mitgerissen. Der Deckel klappt wieder zu, das Tier ist gefangen und kann verdaut werden. Der Wasserschlauch gehört damit zu einer der wenigen fleischfressenden Pflanzen Deutschlands